Kategorie: Deutsche Nachnamen

Deutsche Nachnamen – Entstehung, Systematik und Bedeutung

Die Entstehung deutscher Familiennamen

Familiennamen (Nachnamen, Zunamen) entstehen im deutschen Sprachraum vergleichsweise spät: Während Nachnamen in Italien bereits im 9. Jahrhundert erblich zu werden begannen, breiteten sie sich im deutschen Sprachraum erst im 12. – 15. Jahrhundert in süd-nördlicher Richtung aus.

Die Gründe für die Entstehung von Familiennamen sind vor allem im starken Wachstum der mittelalterlichen Städte zu suchen:

  • Die größer werdende Bevölkerung brachte eine wachsende Unübersichtlichkeit mit sich: Immer mehr Menschen gleichen Namens lebten auf engem Raum zusammen. Ein „Hans“ musste sich aber zuverlässig von den anderen „Hansen“ in seinem Umfeld unterscheiden lassen.
  • Eine wichtige Rolle kam dabei der Verwaltung zu: In Verträgen und auf amtlichen Urkunden muss klar erkennbar sein, wer gemeint ist. Je komplexer die Stadtgesellschaften wurden, desto größer wurde der Bedarf an solchen Dokumenten – und mit ihnen wuchs der Bedarf an eindeutigen Namen.
  • Mit dem wirtschaftlichen Aufstieg des Bürgertums entstanden Erbansprüche, zu deren Durchsetzung erbliche Familiennamen hilfreich waren. Aus ähnlichen Motiven hatten sich adlige Familien bereits im 11. Jahrhundert, als Lehen erblich wurden, feste Namen zugelegt. Sie symbolisierten Rechtsansprüche, die von Generation zu Generation weitergegeben wurden.

Trotz dieser Tendenz zur „Verfestigung“ blieben Nachnamen über viele Jahrhunderte veränderlich. Im täglichen Gebrauch „schliff“ sich die lautliche (phonetische) Gestalt vieler Namen ab, entstanden Schreibvarianten und wurden Namen nicht selten willkürlich geändert – aus Gründen, die heute meist nicht mehr nachzuvollziehen sind. Diese Veränderlichkeit der deutschen Familiennamen wurde im 17. und 18. Jahrhundert nach und nach durch Verwaltungsvorschriften eingedämmt. Erst mit der Einführung der Standesämter im Jahr 1875 festigte sich der Bestand deutscher Nachnamen, womit Fehler und Änderungen freilich nicht komplett ausgeschlossen waren.

Quellen zu deutschen Nachnamen

Adressbücher und Telefonbücher gehören zu den wichtigsten Quellen, um den deutschen Familiennamenbestand zu erforschen. Sie ermöglichen statistische Auswertungen, z. B. über die Häufigkeit bestimmter Namen und Namenklassen im deutschen Wortschatz. Besonders interessant ist auch die regionale Verteilung bestimmter Namen oder Schreibvarianten. Adress- und Telefonbücher sind deshalb eine wichtige Arbeitsgrundlage sowohl für die sprach- als auch für die familiengeschichtliche Forschung.

Wer mehr über die individuelle Bedeutung eines Nachnamens erfahren will, ist aber immer auf die Untersuchung konkreter familiengeschichtlicher Zusammenhänge angewiesen. Die Befunde statistischer bzw. linguistischer Analysen stellen nur Indizien dar, wenn es z. B. darum geht, die Herkunft einer bestimmten Familie herauszufinden.

Die Systematik und Bedeutung deutscher Nachnamen

Der Bestand deutscher Familiennamen lässt sich in folgende Klassen gliedern:

  • Berufs- bzw. Amtsbezeichnungen (Berufsnamen), zu denen ein auffallend großer Teil der deutschen Nachnamen gehört,
  • genealogische Namen, also von Rufnamen abgeleitete Familiennamen (Patronym bei Vaternamen, Metronym bei Mutternamen),
  • Namen mit Bezug zu Eigenschaften der Person, sog. Übernamen; darunter sind vermutlich sehr viele willkürlich angenommene Namen und weniger Spitznamen, als man vermuten sollte,
  • Herkunftsnamen mit Bezug auf Orte oder Regionen, aus denen die ersten Träger dieser Familiennamen stammten. Sie bilden die europäische Migrationsgeschichte seit dem Mittelalter ab. Mit „von“ gebildete Herkunftsnamen waren zunächst übrigens nicht dem Adel vorbehalten; erst seit dem 17. Jahrhundert verschwand die Präposition in bürgerlichen Herkunftsnamen, wodurch sie zu einem (wenn auch niemals sicheren) Kennzeichen adeliger Familiennamen wurde.
  • Den Herkunftsnamen verwandt sind schließlich Namen, die auf besondere Eigenschaften der Wohnstätte Bezug nehmen, z. B. „Roth“ für „Rodung“ (Wohnstättennamen).

Listen mit deutschen Familiennamen

Verbreitungskarten von Nachnamen im deutschen Sprachraum

Empfehlenswerte Online-Ressourcen zur Recherche der Verbreitung deutscher Nachnamen sind

Einzelanalysen deutscher Nachnamen

Guggenheimer

Herkunftsname, deutsch, wichtiger jüdischer Name Alter Name von Jugenheim, in der Nähe von Darmstadt; weitere alte Ortsnamen wohl um Straßburg und in der Schweiz; auch als von einer Abschleifung von…

Hilb

Herkunftsname, deutsch, auch jüdischer Name Vielleicht von Hülben bei Urach. Hülbe kommt von althochdeutsch huliva und bezeichnet die Hüle, eine z.B. auf der Schwäbischen Alb vorkommende Art von Wasseransammlung.

Landauer

Herkunftsname, deutsch, auch jüdischer Name L./Pfalz, L. in der Nähe von Kassel oder L. zwischen Landshut und Deggendorf. Dort Judenvertreibung 1545. Name erstmals in Prag erwähnt, wohin die Landauer Juden…

Pollak

Herkunftsname, deutsch, wichtiger jüdischer Name Bezeichnet die Herkunft aus Polen. Zahlreiche Varianten, z. B. Polack, Pohlack. Link: Bekannte Träger des Namens Pollak